Velimir Ilisevic – Das Werk als Heimat

Die Welt, aus der Velimir Ilišević stammt, ist verschwunden. Er verließ sie 1989 Richtung Schweiz, wo er noch heute lebt, mit einem Pass der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Er kam ein, zwei Jahrzehnte nach der Welle jugoslawischer Gastarbeiter, die sich im Westen Europas auf Baustellen, bei der Kanalreinigung und an Hochöfen, in Bergwerken und Hotels, als Wirte und Kellnerinnen verdingten, denen Marschall Tito Pässe zugestand und Reisefreiheit gewährte, auf dass sie dort Arbeit suchten, wo es Arbeit gab. Continue reading

EIN GROßES FORMAT – VELIMIR ILIŠEVIĆ

Durch die Freundlichkeit von Herr Ilišević hat der Verfasser dieser Darstellung einen Einblick in seinen Zeichenblock und dadurch auch die Gelegenheit gewonnen, den Anfängen der Durchführung des kreativen Prozesses (der richtige Anfang befindet sich natürlicherweise im für uns unsichtbaren „inneren Auge“ des Künstlers) zu folgen. Diese rudimentären Skizzen, aber auch Zeichnungen, enthalten schon am Anfang solche Merkmale, die in den fertigen Werken durch diverse Techniken ihre volle Bedeutung entfalten und lassen sowohl den „Inhalt“ als auch die Grundkomposition und ihre grundlegende Bedeutungsschicht erahnen. Einige Zeichnungen und Skizzen tragen schon die „ehrwürdige Bezeichnung“ fertiges Werk und können mit Recht selbstständig präsentiert und dadurch von der s.g. vorbereitenden Disziplin Malerei zum gesamten künstlerischen Ausdruck reifen.

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Velimir Ilisevic – Malerei der Anwesenheit

Es gibt Sprache, es gibt Kunst, weil es «das Andere» gibt. (George Steiner)

Der 1965 in Sisak (ehemals Jugoslawien) geborene und seit 1989 in Stein am Rhein lebende Schweizer Künstler Velimir Ilisevic ist ein Maler im klassischen Gattungssinn, der sowohl auf Leinwand als auch auf Papier arbeitet. Seine Bilder lassen schon bei der ersten Begegnung eine vitale, auf Begabung und Erfahrung sowie auf Sensibilität und Unmittelbarkeit beruhende Malkultur erkennen. Ilisevic versteht Malerei als ein primär auf die Sinne zielendes Ausdrucksmedium, das den spezifischen Qualitäten der Farbe, ihrem stofflichen und ästhetischen Eigenwert, grösstmögliche Freiheit gewährt. Doch bleibt sie stets dem Gegenständlichen verpflichtet, denn Farbe ist für Ilisevic kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Veranschaulichung, zur Vergegenwärtigung von Gesehenem, Erlebtem und Erinnertem in der realen Welt.

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Das Balkanpendel – Velimir Ilisevics neue Malerei

Erinnerungsfetzen
Mitzuteilen, was man sieht, schafft Orientierung und Verständigung. Diese Informationen verraten jedoch oft mehr über den, der sich äussert, als über das, was dieser sieht. Noch schwieriger wird es, wenn wir, losgelöst von der Person, nur noch die Gegenstände vor uns ausgebreitet finden, die sich irgendjemand bei einem Gang durch die Welt eingeprägt hat. Wir wissen nicht, warum gerade dies oder jenes mitgeteilt wird. Dass die Begegnung mit einem isolierten Gegenstand unvermutet zum Rätsel werden kann – diese Erfahrung wird vor jedem Bild Velimir Ilisevics neu zur Gewissheit. Denn die Bilder lassen uns auch in Bezug auf die Hintergründe, auf denen das Fragmentarische erscheint, fast durchwegs im Ungewissen. Es ist etwas da, das ist alles, worüber Sicherheit besteht: Ein Kinderschlitten, ein Gummiboot, zwei Stiefel, drei schwarze Kohlebügeleisen, ein Anzahl Fische, eine Axt, Herzhälften …

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